Jirisan Seongjung-Durchquerung: Mein Abbruch und die Lehren daraus

Radfahren · Veröffentlicht 16.8.2023 ·

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Der Jirisan ist ein wirklich großartiger Berg – auf ihm liegt der Cheonwangbong (1915 m), der höchste Gipfel im Landesinneren Südkoreas. Wenn man den Jirisan-Nationalpark vom Abschnitt in der Provinz Jeollanam-do über den Teil in Jeollabuk-do bis hin zum Sancheong-gun in Gyeongsangnam-do auf einer durchgehenden Route überquert, nennt man das eine Durchquerung (Jongju). Die bekanntesten Varianten sind die Hwadae-Durchquerung (vom Hwaeomsa zum Daewonsa, ca. 48 km) und die Seongjung-Durchquerung (vom Seongsamjae nach Jungsanri, ca. 35 km), daneben gibt es noch etliche weitere Routen. Den Jirisan, auf dem ich schon mehrmals war, wollte ich einfach noch einmal besuchen.

Vorbereitung

Schon zwei Wochen vorher habe ich durchgehend Ausdauertraining gemacht. Zweimal bin ich rund 80 Kilometer mit dem Rad gefahren, und auch das Laufen habe ich beibehalten. Außerdem habe ich beim Packen darauf geachtet, das Gepäck so weit wie möglich zu reduzieren. An Verpflegung hatte ich über 3.000 kcal dabei, die Batterien der Stirnlampe hatte ich gegen neue ausgetauscht und Ersatzbatterien eingepackt. Auch an Iongetränke wie Pocari Sweat hatte ich gedacht – kurz, alles war gut vorbereitet.

Verpflegung: 3.000 kcal

Stirnlampe

Möglichst leichter Rucksack: Black Diamond Distance 15

Trailrunning-Stöcke

Erste-Hilfe-Set für den Notfall: Magenmittel, Tylenol, Schmerzpflaster, Schmerzspray

Powerbank fürs Handy

Etwas Bargeld

Anreise und Verkehrsmittel

Wir waren insgesamt zu viert und haben einen geführten Wanderclub genutzt. Es war ein Bus mit Abfahrt an der Station Sadang, Absetzen am Seongsamjae, Abholung in Jungsanri und Rückfahrt zur Station Sadang – die Kosten lagen bei etwas über 60.000 Won. Gimbap oder Wasser gab es nicht, der Bus brachte einen wirklich nur von A nach B. Im Bus konnte man zwar kurz das Handy laden, aber die Quelle war ein USB-A-Anschluss, sodass die heute üblichen C-zu-C-Kabel kaum nutzbar sind. Es war ein neuer Kia-Bus, der aber trotzdem nach wie vor konservative Anschlüsse bietet. Offenbar gilt das weiterhin als die universellste Lösung.

Die Route verinnerlichen

Üblicherweise rechnet man im Nationalpark wohl mit einer Gehgeschwindigkeit von etwa 1,8 km/h. Normalerweise stimmt das auch, aber für eine Tagesdurchquerung musste man mindestens 30 % schneller unterwegs sein. Deshalb habe ich die Route durchgerechnet, die GPX-Datei heruntergeladen, in meine Garmin Enduro 2 geladen und mich danach gerichtet. Die ClimbPro-Funktion war beim Wandern eine große Hilfe. Die Strecke war ich zwar schon mehrmals gegangen, aber es war jemand dabei, der sie zum ersten Mal ging und Orientierung brauchte – und die Welt ist ja inzwischen so komfortabel geworden, dass man angezeigt bekommt, wie viele Meter der nächste Anstieg noch dauert und wie viel Prozent die Steigung beträgt. Damit unterwegs zu sein, war richtig angenehm.

Die Gründe für das Scheitern …

Erschöpfung – eine Tagesdurchquerung stellt an Kräfteverbrauch und Erholungstempo ganz andere Anforderungen als eine Zweitagestour. Auf dem Abschnitt Seongsamjae–Jungsanri gibt es insgesamt 24 Anstiege; manche sind in wenigen Minuten geschafft, aber es gibt viele, die sich über 20 Minuten und länger ziehen, und an einigen Stellen liegt die Steigung über 30 %. Es wäre ein gezieltes Anstiegs- und Treppentraining nötig gewesen, doch weder ich noch meine Begleiter hatten das absolviert.

Mangelhafte Ausrüstung – meine Wanderschuhe waren etwa zehn Jahre alt. Von außen sah man ihnen den Gebrauch deutlich an, aber das Leder war noch in Ordnung und die Sohle war auch noch da, also bin ich einfach mit ihnen losgezogen – und genau das war das Problem. Der Grip- und Mittelsohlenbereich der Außensohle löste sich durch Hydrolyse einfach auf. Das passierte schon, bevor wir die Yeonhacheon-Schutzhütte erreicht hatten; als Notlösung hat ein Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung dort eine Schraube hineingedreht und sie zusätzlich mit Kabelbindern fixiert … doch noch vor der nächsten Schutzhütte löste sie sich wieder. Dadurch konnte ich nicht mehr in meiner gewohnten Haltung gehen, sondern musste den rechten Fuß ständig so anheben, als würde ich das Knie über eine bestimmte Höhe ziehen – das führte zu Erschöpfung, Krämpfen, Tempoverlust und ähnlichen Problemen.

Wanderschuhe waren vielleicht gar nicht die richtige Wahl. Es gibt überraschend viele Abschnitte, auf denen man läuft, und der Zamberlan Tofane, der pro Schuh rund 1 kg wiegt, zehrt enorm an den Kräften. Vielleicht wären Trailrunning-Schuhe sogar die bessere Antwort gewesen, habe ich mir überlegt. Auch das Hwadae-Team, das an dem Tag im selben Bus saß, hat zwar nicht vollständig durchgehalten, aber die meisten waren in einer ganz dünnen westenartigen Rucksackmontur und Trailrunning-Schuhen unterwegs. Wirklich federleicht, mit zwei Silikon-Trinkflaschen am Körper, sind die ordentlich gerannt – während ich weder das eine noch das andere an Kleidung und Ausrüstung hatte.

Fehlendes Langstrecken-LSD-Training – im Nachhinein kann man kaum sagen, dass ich meinen Körper wirklich in Form gebracht hatte. Es ist ein Offroad-Kurs von mindestens 34 km … großzügig gerechnet fast mit dem Gefühl einer vollen Marathondistanz. Dass man so eine Strecke durchsteht, nur weil man ein paar Mal Rad gefahren ist und 4 kg abgenommen hat, war illusorisch. Ich muss im Alltag einfach mehr trainieren.

Unzureichende Erholung – wie wohl bei den meisten: Wir gehen ja arbeiten und sind erst am Freitagabend losgefahren. Es ist ohnehin nicht meine übliche Schlafenszeit, und so ein Reisebus ist nun mal unbequemer als ein Bett, mag er noch so sehr ein Luxusbus sein. Am Abreisetag sollte man tagsüber bloß keinen Kaffee o. Ä. trinken, sich also bewusst müde und schläfrig machen, damit man im Bus schlafen kann …

Abbruch …

Wer eine Tagestour der Seongjung-Durchquerung oder die Hwadae-Durchquerung plant, dem rate ich, sich mehr vorzubereiten, als man denkt. Schon der Seongsamjae liegt über 1.000 Höhenmeter. Das ist eine Höhe, von der allein der Abstieg mindestens drei Stunden dauert, und selbst die kürzeste Fluchtroute – von der Seseok-Schutzhütte zum Dorf Georim – sind 6 km. Mit so gut wie keiner Kraft mehr und ordentlich ermüdeter Oberschenkel- und Wadenmuskulatur sind 6 km schon ein Kampf mit der reinen Willenskraft – die Körperkraft liegt bei null. Heißt: Selbst das Abbrechen ist nicht leicht.

Das sind die Zeiten für die einzelnen Abschnitte.

Das sind die Zeiten, mit denen unser Team gerechnet hat. Die obigen Abschnittszeiten entsprechen rechts dem tatsächlichen Zeitverbrauch; links steht der – sagen wir – ehrgeizige Plan, 30 % schneller unterwegs zu sein. Da die Busabholung um 17:30 Uhr war, lautete das völlig unrealistische Szenario: „Wir sind unten und können noch einen Makgeolli trinken!!” Aber der Maßstab für ein Gelingen war, dass die links eingeplanten Durchgangszeiten grob hinkommen würden – wenn überhaupt, dann musste man eher schneller, auf keinen Fall langsamer sein.

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Am Eingang des Jirisan war ich schon mehr als fünfmal, und trotzdem hat er immer etwas, das mir das Herz aufgehen lässt. Wirklich ein Ort, an dem man sich gut fühlt.

Vielen Dank an die Mitarbeiter der Yeonhacheon-Schutzhütte, die meine Wanderschuhe so gut wieder geflickt haben. Wäre der Schuh nicht wenigstens provisorisch repariert worden, hätte ich es wohl nicht einmal bis zum Abstieg nach Georim geschafft.

Das ist die Byeoksoryeong-Schutzhütte. Zeitlich bin ich bis Byeoksoryeong tatsächlich ordentlich angekommen, aber die Sohle des Wanderschuhs löste sich schon wieder.

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So sah der Wanderschuh aus, nachdem ich wieder zu Hause war. Dass der Zamberlan Tofane ein gut gemachter mittelschwerer Wanderschuh ist, dem stimme ich zu. Er ist wirklich robust. Aber wenn man ihn wie ich zehn Jahre lang ohne Sohlenerneuerung nutzt und dabei zwischen mehreren Wanderschuhen und Schuhen hin- und herwechselt, ist die Sohle wegen der Hydrolyse irgendwann nicht mehr zu gebrauchen. Nutzt sie also unbedingt nur innerhalb von vier Jahren, und wer sie länger verwenden will, sollte die Sohle gegen eine neu gefertigte austauschen lassen oder den Schuh durch ein Neuteil ersetzen.

Den obigen Wanderschuh habe ich weggeworfen. Vom Lederzustand her hätte man ihn mit einer Sohlenerneuerung noch weiternutzen können, aber es kam ein weiteres Problem hinzu. Beim Eindrehen der Schraube wurde offenbar die innere Gore-Tex-Socke durchstoßen. Dadurch wurde es jedes Mal feucht, wenn ich durch eine nasse Stelle ging, und an einem flachen Bach lief der Schuh völlig voll. Ein Neukauf kostet etwa 330.000 Won, für die Sohlenerneuerung wurden mir 100.000 Won genannt. Ich kam zu dem Schluss, dass ein Wanderschuh kein Produkt mehr sein kann, das man dauerhaft, also „für die Ewigkeit” nutzt – wobei das natürlich nur meine persönliche Meinung ist.

Ob bei einem Wanderschuh, der gut wasserdicht sein soll, auch die Gore-Tex-Membran entsprechend lange durchhält, ist fraglich … selbst wenn man sie nicht wie ich durchsticht. Das Leder dagegen sieht so aus, als könnte man es problemlos über zehn Jahre weiternutzen. Ich habe ab und zu Wachs aufgetragen und es mit Universal-Ledercreme gepflegt, sodass es überraschend wenig rissig und abgenutzt ist.

Das ist das Tempo bis zur Seseok-Schutzhütte. Langsam, oder? Etwas über 2 km pro Stunde – für eine Tagesdurchquerung ist das tatsächlich zu langsam. Man muss mindestens 3 km pro Stunde schaffen, um auch noch Jangteomok und den Cheonwangbong zu sehen und dann abzusteigen. Ich sage es noch einmal: Beim Jirisan muss man allein für den Abstieg mindestens drei Stunden einplanen. Selbst in sehr guter Verfassung hat der Abstieg in meiner Erinnerung zwei Stunden gedauert, also grob drei Stunden. Die meisten Abstiegswege sind sehr steil. Das belastet Knie, Sprunggelenke und die umliegende Muskulatur stark. Beim Gehen in der Ebene oder bei Auf und Ab mag das egal sein, aber beim Abstieg ist es durchaus eine gute Idee, die Stöcke herauszuholen, um Knie und Sprunggelenke zu entlasten.

Sich überhaupt das Durchqueren einer bestimmten Route als Ziel zu setzen und es darauf anzulegen, war vielleicht ein bisschen töricht. Bei zwei Tagen kann man sich ja einigermaßen erholen, deshalb wäre es da gegangen – aber es war schon auch so, dass ich die Seongjung-Durchquerung, die ja nicht einmal die Hwadae-Durchquerung ist, auf die leichte Schulter genommen habe.

Ich werde definitiv LSD-Training und Wanderungen im Stil eines leichten Trailrunnings einüben und es nächstes Jahr noch einmal versuchen. Wenn es da einen Typen gibt, der wie die älteren Herren der Hwadae-Durchquerung nur in einem Unterhemd losrennt – dann will ich der sein.

Danke, dass ihr diesen langen, nicht besonders unterhaltsamen Bericht über mein Scheitern an der Seongjung-Durchquerung gelesen habt.

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Kontakt: bumseok.view [at] gmail [dot] com