Bahnhof Susaek: Mittagsspaziergang durch Seouls alte Innenstadt

Alltag · Veröffentlicht 19.7.2023 ·

Der Bahnhof Susaek ist ziemlich alt. Es ist einer dieser Bahnhöfe mit nur einem einzigen Ausgang, und den Weg hinüber auf die andere Seite ins DMC-Viertel sieht man normalerweise gar nicht so richtig. Deshalb bin ich immer erst bis zur DMC-Station gefahren, habe zwei U-Bahn-Linien hintereinander durchquert und bin dann wieder zu Fuß zurückgelaufen – und das immer und immer wieder.

Irgendwann habe ich dann erfahren, dass es eine Unterführung gibt, und habe sie auf dem Weg zur Arbeit mal ausprobiert. Der Weg wurde dadurch erheblich kürzer. Vom Nurikkum-Square-Gebäude aus, in dem mein Büro liegt, bin ich nach dem Mittagessen als Spaziergang eine Route gelaufen, die durch den Bahnhof Susaek führt. Die Strecke sieht so aus wie auf dem Screenshot unten. Los geht es an der Ecke des MBC-Gebäudes: erst über die Straße, dann durch die Unterführung.

Auf der anderen Seite angekommen sieht man unterhalb des Parks die Unterführung. Eigentlich ist es verboten, hier mit Fahrrad, E-Scooter und Ähnlichem durchzufahren … aber alle fahren einfach so durch … Regeln sind doch dazu da, eingehalten zu werden … schade.

Es hatte viel geregnet, also stand das Wasser und alles war feucht. Erst kürzlich gab es ja diesen Vorfall mit einer überfluteten Unterführung, und dieses Jahr macht die Regenzeit echt viele Probleme. Während ich diesen Text schreibe, herrscht übrigens schon wieder eine Hitzewelle … Als Mindesthöhe sind 180 cm angegeben. Das ist sicher konservativ gerechnet, aber es ist trotzdem eine sehr niedrige Unterführung.

Am Ausgang ist die Patina der Jahre und dieses altmodische Flair noch ganz lebendig erhalten. Wegen des Regens hatte ich meine Kamera nicht dabei – beim nächsten Mal nehme ich wohl mal die Leica mit. Es gibt hier eine Stützmauer aus einer Mischung von Stein und Zement und einen kleinen Straßenstand. Während ich lief, habe ich mich gewundert, dass es so etwas in Seoul überhaupt noch gibt. Im Hintergrund stehen Hochhaus-Wohnblöcke, was eine ziemlich reizvolle Szenerie ergibt.

Wenn man heraustritt, steht auf der anderen Straßenseite, auf einem dreieckigen Grundstück, ein Gebäude, das offenbar genauso alt ist. Dieses Viertel scheint sich nur sehr langsam entwickelt zu haben. Es gab sogar das Schild eines Pfandhauses, und ich habe mich gefragt, ob das wohl noch in Betrieb ist. Weil es regnete und die Stimmung so gedämpft war, sind die Fotos etwas schwermütig geworden.

Ich drehe mich nach links. Geradeaus geht es nach Goyang, und dort soll es die Susaek-Brücke geben.

Das ist das Polizeiwachen-Gebäude direkt vor dem Bahnhof Susaek. Auf dem Dach weht die Nationalflagge, und es stehen Pylone da, die normale Leute am Parken hindern – ein Anblick, der allerlei Gedanken weckt. Wer hier ein Anliegen erledigen will, muss ja irgendwo parken, aber das ist eben versperrt … Die Flagge weht, aber ein Lebenszeichen war auch nicht zu erkennen. Ob da gerade Feierabend war?

Das Schild des Bahnhofs Susaek. Wenn man links hineingeht, kommt man zu Ausgang 1. Von diesem Bahnhof aus kann man die Gyeongui-Jungang-Linie nutzen, und gegenüber sieht man das MBC-Gebäude.

Hier steht ein Baum, der unglaublich alt aussieht. Über all die Jahre hat er seinen Platz treu gehütet.

Es gibt auch eine Arztpraxis, die offenbar nicht mehr in Betrieb ist. Nach den Fassadenmaterialien zu urteilen, ist das gut und gerne 30 Jahre alt …

Wenn man Richtung Susaek-Brücke läuft, kommt man an einer Fußgängerbrücke vorbei, aber die ist für normale Leute gesperrt. Sie scheint dem Arbeitsweg der Bahnbediensteten zu dienen.

Ein Horizont, wie man ihn in Seoul selten sieht. Klar … eigentlich ist es ein Hügel. Aber links und rechts gibt es keine hohen Gebäude, und so einen Horizont, an dem sich der Himmel ganz und gar auftut, findet man anderswo nur schwer …

Das sind die Gleise, von der Susaek-Brücke aus Richtung Sinchon geblickt. Ein ziemlich wirres, verschachteltes Schienengeflecht. Ich bin den Weg, den man links sieht, hochgelaufen und bin gerade dabei, wieder hinüber ins DMC-Viertel zu wechseln.

Beim Hinüberschauen sah ich im Wartungsdepot einen roten Zug stehen. „Wow, fährt der überhaupt noch?“, dachte ich – und siehe da … Kaum hatte ich das gedacht und hingeschaut, setzte er sich auch schon in Bewegung. Faszinierend.

Die Strecke war etwa 2 km lang, und ich bin sie gemächlich in ungefähr 30 Minuten gelaufen. Durch das makellos gepflegte, saubere DMC-Viertel zu spazieren macht zwar Spaß, aber ab und zu ist so eine Route durch die alte Innenstadt, in der man die Jahre richtig spürt, auch ganz schön.

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Kontakt: bumseok.view [at] gmail [dot] com

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