Kolon Aerolite 2 im Test: Freistehendes UL-Backpacking-Zelt aus Korea

Camping · Veröffentlicht 21.6.2023 ·

bleibt – ich übersetze nur den Text und lasse Markdown, Bildpfade, Zitate und Trenner unangetastet.


Aktuell besitze ich ein freistehendes… – nein, ein nicht freistehendes, ultraleichtes Zelt aus Dyneema, das Moment Li DW. Gemessen liegt es bei rund 700 Gramm, also wirklich ein extrem leichtes Zelt. Ein Leichtgewicht, das kaum mehr wiegt als ein durchschnittliches Kochgeschirr-Set – ich bin damit hochzufrieden. Backpacking-Zelte lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen: freistehend oder nicht freistehend? Ein freistehendes Zelt behält seine Form ganz von allein, ohne Heringe oder andere Hilfskonstruktionen. Wenn man das Zelt aufgestellt hat und der Standort einem doch nicht gefällt, kann man es einfach hierhin und dorthin verschieben. Und es lässt sich auch in Felsspalten oder anderem wirklich kargem Gelände aufstellen und nutzen.

Wie auf dem Foto oben sieht man, wie ich es selbst dort, wo sich die Heringe schlecht eintreiben lassen, erst einmal aufgestellt und die Heringe dann mit Steinen beschwert habe. Weil ich ein freistehendes Zelt haben wollte, habe ich das oben gezeigte Zelt gekauft.

Spezifikationen

  • 140/120 (vorn/hinten) x 265 x 116 (H) cm

  • Innenzelt – 130/110 (vorn/hinten) x 210 x 105 (H) cm

  • Packmaß – 42 x Φ16,5 cm

  • Minimalgewicht: 1,51 kg / Gesamtgewicht – 1,74 kg

  • Lieferumfang – Zelt, 2 Hauptstangen, 13 Leicht-Heringe,

4 Strings, Packtasche

Laut Spezifikation liegt das Gesamtgewicht zwar bei rund 1,7 kg, aber mit Footprint werden daraus schnell etwa 2 kg. Erst wenn ich ein paar überflüssige Heringe weglasse, komme ich gerade so auf 1,7 kg. Schauen wir uns mal an, warum das so ist …

Es ist – ganz ähnlich wie bei den Hilleberg-Zelten – eine Konstruktion, bei der Außenzelt und Innenzelt verbunden sind. Dazu kommen ein Moskitonetz-Fenster und eine hintere Lüftungsöffnung. Und auch das Material trägt seinen Teil dazu bei. Es wird ein überraschend kräftiger Stoff verwendet, und alle Nähte sind komplett mit Nahtband versiegelt. Das hebt zwar Haltbarkeit und Wasserdichtigkeit, ist aber zugleich der Grund, warum das Gewicht immer weiter steigt. Doch ein Doppelwandzelt mit nur einem Eingang hat einen klaren Einsatzzweck. Es eignet sich hervorragend für klirrend kalte Tage oder für die drei Jahreszeiten vom Herbst bis zum Frühlingsanfang. Manche sagen, wie warm könne ein oder zwei Lagen Stoff schon halten – aber allein dadurch, dass Kondenswasser und Belüftung im Gleichgewicht bleiben und der Windeinfluss geringer ist, hält sich die Innentemperatur wirklich gut. Außerdem gibt es eine Apsis, die selbst bei strömendem Regen ein bisschen nutzbar ist. Hier kann man Wanderschuhe und Rucksack unterbringen, und wenn man allein unterwegs ist, reicht der Platz locker, um sein Lunchpaket zu essen.

Ich wollte auch mal ein koreanisches Zelt ausprobieren.

Der Großteil der Backpacking-Ausrüstung auf dem heimischen Markt besteht aus Importware. Dabei ist Korea ja kein Land, das keine vernünftigen Produkte hinbekommt … Der Grund, warum die Firmen sie nicht herstellen, ist wohl, dass der Markt klein ist und sich damit kein Geld verdienen lässt …? Man müsste auch in F&E investieren, aber der Gewinn im Verhältnis zur Investition dürfte wirklich verschwindend gering sein. Trotzdem hatte ich immer diesen Durst. Die Vorteile, die ein heimisches Produkt mit sich bringt, sind kaum in Worte zu fassen … Wenn man an die Abwicklung im Reparaturfall denkt, an den Zeit- und Kostenaufwand – dann gibt es bei einem koreanischen Produkt von guter Qualität wirklich keinen Grund, es nicht zu nutzen. Bei Auto und Computer setze ich leider auf Importware, aber ich drücke immer die Daumen, dass auch hierzulande gleichwertige Alternativen auf den Markt kommen.

Früher bin ich mit Hilleberg-Zelten campen gegangen. Die Jahre vergingen, der Leichtgewichts-Trend kam auf, und inzwischen gibt es sogar das Kürzel „UL“ – Zelte und Ausrüstung unter einem Kilogramm gibt es mittlerweile in Hülle und Fülle. Einer der Gründe, warum ich Hilleberg-Zelte so gerne benutzt habe, ist ihre hohe Haltbarkeit. Dazu kommt der einfache Auf- und Abbau. Beim Thema Pflege sind sie allerdings ein wenig umständlich. Wird die Ausrüstung nass, wird sie nämlich ein einziges Schlamassel, und man muss ziemlich viel Zeit ins Trocknen stecken – jedenfalls bei einem nicht freistehenden Zelt … Ein freistehendes Zelt dagegen kann man auch im nassen Zustand abbauen, zu Hause einfach wieder aufstellen und drinnen trocknen lassen – das ist im Nu erledigt. Auch in puncto Pflege hat ein freistehendes Zelt also so seine Vorteile.

Das vertraute Baum-Logo von Kolon. Ungefähr so, als würde man nach 20 Jahren im Importwagen endlich in eine koreanische Luxuslimousine steigen … Ich habe es zwar selbst bezahlt, aber es fühlt sich unheimlich vertraut an.

Da steht doch tatsächlich auch Koreanisch drauf, hahaha. Gefertigt wurde es allerdings in China.

Und die Anleitung ist natürlich ebenfalls auf Koreanisch … Es ist nicht so, dass ich kein Englisch lesen könnte, aber dass Koreanisch bequemer ist, lässt sich nun mal nicht leugnen.

Es ist ja eine Art Limited Edition mit Grün-Konzept, und vielleicht hat deshalb auch die Stange einen Farbton in diese Richtung. Aber ich denke mir: Wenn schon abstimmen, dann richtig – oder eben ganz bewusst mit Kontrastfarben spielen. So wirkt es ein bisschen halbherzig, oder? Irgendwie unentschlossen.

Das hier ist der Stangenfuß. Ich hoffe, er hält im Winter durch, ohne zu brechen.

An den diversen Fixpunkten ist das Material stellenweise etwas überdimensioniert. Ich hätte es mir zugunsten des Leichtgewichts ein bisschen schlanker gewünscht – für die Haltbarkeit ist diese Stelle aber sicher von Vorteil.

Das ist die Footprint-Hülle. Schon wenn man nur die Zelthülle und die Footprint-Hülle weglässt, sinkt das Gewicht beträchtlich.

Auch die Heringe sind grün in grün. An den Heringen sind keine Strings befestigt. Angesichts des Zeltpreises kann ich das ja noch verstehen. Aber sie haben nicht mal lose Schlaufen-Strings beigelegt? Hahaha. Da war der zuständige Produktverantwortliche wohl mit dem Kopf woanders. Wenn man schon ein Loch reinbohrt, dann hätte man auch die Strings mitliefern müssen … An solchen Details fehlt es einfach, das ist wirklich schade … Da baut man ein gutes Produkt und zwingt den Käufer dann wegen Strings, die nicht mal ein paar hundert Won kosten, wieder Zeit und Geld auszugeben – warum bloß? …

Die Abspannleinen, die man am Zelt befestigt, sind dabei, allerdings nicht vormontiert. Dass sie aus Kostengründen nicht vormontiert sind, kann ich ja noch nachvollziehen.

Auf der Waage ist die Zahl schlecht zu erkennen, aber es sind 1,77. Dabei sind 6 Heringe, die Zelttasche und die Bodenplanen-Tasche schon weggelassen; Stangentasche, Korpus und Bodenplane habe ich in einen sehr leichten, nur 20 Gramm schweren Zelt-Packsack gesteckt und dann gewogen. Vom vom Hersteller angegebenen Gewicht ist das schon ein gutes Stück entfernt, aber für ein doppelwandiges, freistehendes Zelt, in dem zwei Personen schlafen können, ist es tatsächlich leicht.

Man hat das Gefühl, dass hier vieles gut gemacht wurde, der letzte Schliff aber irgendwo auf der Strecke geblieben ist. Die Verpackung war sorgfältig, der Lieferumfang vollständig. Und es kostet etwa die Hälfte eines Hilleberg-Zelts … Aber Hilleberg-Zelte werden so verkauft, dass man sie nach dem Kauf ohne weiteres Nachrüsten direkt benutzen kann. Sie sind eher so überdimensioniert, dass man im Gegenteil sogar Abspannleinen abnimmt, um Gewicht zu sparen, oder ein paar Heringe weglässt.

Ich muss also wieder diverse Shopping-Apps durchforsten, um Abspannleinen zu kaufen …?? Es war ein Unboxing-Bericht, bei dem auch ich noch einmal darüber nachgedacht habe, welche Details es wirklich braucht, um auf dem Weltmarkt zu bestehen.

Vielen Dank.

#Kolon #Aerolite2 #BackpackingZelt #FreistehendesZelt #AngriffsZelt #SelbstGekauftSelbstBezahlt #KoreanischesBackpackingZelt


Kontakt: bumseok.view [at] gmail [dot] com

Kommentare

  1. Schreibe den ersten Kommentar.