Hwadae-Überschreitung im Jirisan: 46 km Trailrunning-Guide
Wandern · Veröffentlicht 15.1.2023 ·

Prolog
Mit „Überschreitung” (종주) ist meist gemeint, dass man den Hauptkamm eines Bergs oder Höhenzugs der Länge nach durchwandert. Je nach Route unterscheidet sich das, aber viele Strecken sind über 20 km lang – man sollte sie also nur mit gründlicher Vorbereitung und gutem Training angehen.
Die Hwadae-Überschreitung
Die Hwadae-Überschreitung beginnt am Hwaeomsa-Tempel im Jirisan, führt über den Cheonwangbong-Gipfel und endet am Daewonsa-Tempel. Die Gesamtstrecke beträgt 46,2 km. Die Abschnitte Hwaeomsa–Nogodan sowie ab dem Cheonwangbong über Jungcheong und Yupyeong bis zum Daewonsa sind ausgesprochen anspruchsvoll. Deshalb wählen die meisten lieber die Seongjung-Route (Seongsamjae – Jungsanri).

Hwaeomsa – Nogodan (5,5 km)
Vom Ausgangspunkt am Hwaeomsa geht es über die Brücke des Yeongiam-Wegs hinauf in Richtung Jirisan. Nach gut 2 km sanftem Anstieg wird es allmählich steiler, und es folgt durchgehend ein kräftiger Aufstieg. Weil hier viele Steinkanten aus dem Boden ragen, sollte man vorsichtig hochsteigen. Nach etwa 3 bis 6 Stunden Aufstieg erreicht man die Stelle, an der der Weg mit der Seongsamjae-Route zusammenläuft – nur noch rund 20 Minuten weiter, und der Nogodan kommt in Sicht. Wer die Hwadae-Überschreitung als Zweitagestour mit einer Übernachtung machen will, sollte den Hwaeomsa-Abschnitt in etwa 3 Stunden schaffen. Großer Beliebtheit erfreut sich aber auch die Variante als eintägiger Trailrunning-Lauf, bei dem man unter 14 Stunden bleibt.
Nogodan – Hwagaejae (6,3 km)
Hier geht es relativ sanft auf und ab. Vom Nogodan bis zur Weggabelung am Banyabong verläuft fast alles auf gemütlichem Pfadniveau. Die freie Aussicht vom Kamm ist großartig – besonders der Blick vom Samdobong. Vom Samdobong sieht man zurück zum Nogodan, voraus den Kamm bis hin zum fernen Cheonwangbong und im Süden den Bulmujangdeung. Kurz bevor es vom Samdobong zum Hwagaejae hinuntergeht, steigt man etwa 15 Minuten lang eine lange Holztreppe hinab. Sage und schreibe 597 Stufen folgen ohne Unterbrechung aufeinander. In der regulären Laufrichtung ist das bloß ein Abstieg, in der Gegenrichtung dagegen ein sehr harter Abschnitt. Wer hier seine Kräfte falsch einteilt, dem kann der Weg bis zum Nogodan zur Qual werden.
Hwagaejae – Tokkibong (1,2 km)
Auf dem Abschnitt vom Hwagaejae zum Tokkibong steigt man etwa eine Stunde lang stetig in die Höhe. Es ist der längste Anstieg des Hauptkamms und damit ein vergleichsweise kräftezehrender Teil.
Tokkibong – Schutzhütte Yeonhacheon (3,0 km)
Die Schutzhütte Yeonhacheon ist die erste, an der man etwas isst. Die meisten kommen zur Frühstückszeit hier an und gönnen sich entsprechend ein leckeres Mahl. Bei einer Eintagesüberschreitung sollte man es allerdings beim Auffüllen der Wasservorräte und einer kleinen Verpflegung unterwegs belassen und zügig weiterziehen. Mit vollem Magen wird es nämlich richtig schwer.
Schutzhütte Yeonhacheon – Schutzhütte Byeoksoryeong (3,6 km)
Von der Yeonhacheon-Hütte bis zur Byeoksoryeong-Hütte braucht man etwa 2 bis 3 Stunden. Die letzten gut 30 Minuten vor dem Byeoksoryeong sind das übelste Geröllfeld des gesamten Kamms. Über ein Feld aus blanken Steinen und kleinen Felsbrocken balanciert man wie über Trittsteine von Stein zu Stein. Bis zur Byeoksoryeong-Hütte hat man aber noch genug Kraft, sodass man das wohl recht locker durchsteht.
Schutzhütte Byeoksoryeong – Schutzhütte Seseok (6,3 km)
Vom Byeoksoryeong bis zur Quelle Seonbisaem ist der Weg überwiegend sanft, gut eine Stunde lang geht es bequem voran. Von Seonbisaem bis zur Seseok-Hütte aber folgen die 2 bis 3 zähesten und anstrengendsten Stunden des ganzen Kamms. Hier reihen sich zahlreiche Felsen mit 30 bis 50 Grad Neigung aneinander, sodass man mehrmals am Seil über die Felsen klettern muss. Bis zum Deokpyeongbong arbeitet man sich gut 40 Minuten lang über Stein- und Felswege auf und ab in die Höhe – alles im Wald ohne jede Aussicht. Oben auf dem Deokpyeongbong öffnet sich der Blick zwar herrlich, doch der Wanderweg über Chilseonbong und Yeongsinbong bis hinauf zum Seseok hat es weiter in sich. Kurz gesagt: Ab dem Byeoksoryeong bis zum Seseok wird es wirklich knüppelhart.
Schutzhütte Seseok – Schutzhütte Jangteomok (3,4 km)
Dies ist der landschaftlich schönste Abschnitt der ganzen Überschreitung. Über die Hochebene Seseokpyeongjeon, den Chotdaebong und den Yeonhabong, der mit seiner Märchenlandschaft (Yeonhaseongyeong) verzaubert, geht es auf und ab – so schön, dass von Langeweile keine Spur ist. Trotzdem sollte man seine Kräfte gut einteilen. Inzwischen hat man mehr als die Hälfte der Strecke hinter sich. Man sollte stetig etwas essen und trinken, um die Energiereserven aufzufüllen.
Schutzhütte Jangteomok – Cheonwangbong (1,7 km)
Vorbei am baumlosen Totholzgebiet des Jeseokbong bis zum Cheonwangbong fügen sich die Felsgipfel wunderbar in die Umgebung ein. Hinter dem Tongcheonmun, dem „Himmelstor”, klettert man direkt unterhalb des Gipfels über Leitern und Seile einen steilen Hang hinauf. Der Dauer-anstieg ist mühsam, und in dieser Höhenlage muss man zudem auf das wechselhafte Wetter achten.
Cheonwangbong – Jungbong (0,8 km)
Hier geht es steil hinab und gleich wieder steil hinauf. Da die Treppenstufen schmal sind, muss man beim Auf- und Absteigen aufpassen.
Jungbong – Schutzhütte Chibatmok (3,2 km)
Hinter dem Jungbong folgt der Auf- und Abstieg über den Sseoribong. Steile Treppen und heftige Höhenunterschiede machen diesen Abschnitt sehr anstrengend; an manchen Stellen muss man sich am Seil festhalten, und bei einem Fehltritt droht ein Sturz von der Felswand – also Vorsicht. Wer die Hwadae-Überschreitung macht, verliert hier ordentlich Kraft. In der Küche der Schutzhütte hängt übrigens ein Busfahrplan, also schaut euch die Zeiten rechtzeitig an.
Chibatmok – Weggabelung Yupyeong (6,2 km)
Ein Abschnitt mit unzähligen Treppen, kurvigen Windungen und Bachquerungen. Im Winter läuft man hier auch schon mal über das zugefrorene Eis zwischen den Bachläufen. Weil hier wenig Verkehr herrscht, ist der Weg manchmal zugewachsen und schlecht zu erkennen. Auch wenn dies der letzte Abschnitt der Hwadae-Überschreitung ist, darf man sich nicht übernehmen – man steigt kräftesparend ab. Falls man hier völlig am Ende ist und kaum noch durchhält: Geht man von der Chibatmok-Hütte noch 1,8 km weiter, kommt die Weggabelung Saejae – hier empfehle ich, in Richtung Saejae abzubiegen. Bis zum Saejae sind es von der Gabelung 3 km, also etwa eine Stunde.
Yupyeong – Kasse Daewonsa (3,5 km)
Eine asphaltierte Straße. Nach dem Abstieg nach Yupyeong geht es weiter zum Daewonsa, und vom Daewonsa muss man noch 2,5 km zu Fuß bis zur Kasse hinunterlaufen – dann ist endlich Schluss.
Für eine Eintages-Komplettüberschreitung scheinen 14 Stunden vorgegeben zu sein. Je nach Wettbewerb kann das leicht variieren. Mit etwa 30 Minuten Puffer müsste man also in 13 Stunden 30 Minuten die 48 km schaffen. Das ergäbe eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 3,7. Bergauf sind 3 km/h kaum drin, also muss man auf den flachen Stücken und bergab im lockeren Trab mit 5 bis 6 km/h unterwegs sein, um das auszugleichen. Echtes Trailrunning eben – allein der Gedanke daran lässt mein Herz höherschlagen. Erst einmal will ich am Bukhansan mit einem Schnitt von 3,5 üben, und dann plane ich, auf meinem heißgeliebten Surisan zwei Runden mit etwa 4 km/h durchzulaufen, bevor ich mich an die Sache wage.
Ähnliche Überschreitungsrouten sind die Gangbuk-5-Berge-Überschreitung (Bulsusadobuk), der Sobaeksan (Yukgu-Überschreitung) und die große Seorak-Überschreitung. Bisher habe ich nur die Seongjung-Überschreitung und so etwas wie die Gongnyong-Grat-Überschreitung gemacht – damals allerdings im klassischen Wander-Stil; künftig will ich auf den Trailrunning-Stil umsteigen und es so angehen. ^^
Im Anhang findet ihr die GPX-Datei zur Hwadae-Überschreitung. Wer sich auf den Weg macht, lädt sie am besten auf ein Garmin-, Suunto- oder ähnliches Gerät und folgt der Spur.
Vielen Dank.
Anhang
화대종주_2022.gpx
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Kontakt: bumseok.view [at] gmail [dot] com
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