Bukhansan Dulle-gil: Langstrecken-Trekking nahe Seoul
Alltag · Veröffentlicht 24.1.2023 ·
Der Bukhansan-Dulle-gil ist ein flach angelegter Spazierweg am Fuß des Bukhansan, der bestehende Nebenpfade verbindet und ausbaut, sodass man die Ausläufer des Berges in sanftem Gelände erwandern kann. Von den insgesamt 71,5 km wurden am 7. September 2010 zunächst 45,7 km eröffnet – darunter die Abschnitte im Stadtgebiet von Seoul sowie der Ui-ryeong-Weg –, die restlichen 25,8 km folgten am 30. Juni 2011. Auf dem Dulle-gil, wo Mensch und Natur beim Gehen eins werden, sind Wasserwege, Erdpfade, Waldwege und Dorfwege zu Spazierstrecken mit jeweils eigenem Thema gestaltet – insgesamt 21 an der Zahl. Der für jedermann leicht begehbare Dulle-gil ist ein Weg, der unsere kostbare Natur bewahrt und auf dem man zugleich Geschichte, Kultur und Ökologie erleben kann.
Quelle – Website des Bukhansan-Nationalparks zum Bukhansan-Dulle-gil
Prolog
Ich liebe Langstrecken-Trekking. Sich einen Tag oder ein, zwei Tage freizunehmen und einfach durchzulaufen, ist für Körper und Geist ein echtes Training und hilft enorm beim Stressabbau. Allerdings haben Langwanderungen oder Trail-Touren etwa im Jirisan- oder Seoraksan-Nationalpark den Nachteil, dass viel Geld für die Anreise draufgeht. Und bequem ist die Verbindung dorthin auch nicht gerade. Also fragte ich mich: Gibt es denn nicht irgendwo in der Nähe von Seoul einen Ort für Langstrecken-Trekking? Lässt sich da nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln hinkommen und trotzdem lange wandern? Muss man dafür wirklich immer in einen Bus oder Zug steigen? Und siehe da – es gibt so einen Ort. Und das ganz in der Nähe.

Zunächst habe ich die gesamte Route einmal zusammengestellt. Es gibt zwar Angaben zu Höhenprofil und voraussichtlicher Gehzeit, aber da ich die meisten Gegenden nicht kenne, habe ich – ausgehend von meiner Heimatgegend (Eunpyeong-gu) – die Zeiten sehr konservativ angesetzt. Vermutlich lassen sich davon noch 30–40 % einsparen. Lässt man den Ui-ryeong-Abschnitt, der ja vorab reserviert werden muss, einmal als Option außen vor, kommt man auf rund 64,7 km – und das könnte für eine zweitägige Tour mit einer Übernachtung eine richtig schöne Distanz sein. Mit guter Planung wäre wohl sogar eine Durchquerung an einem einzigen Tag machbar. Aber weil ich Angst hätte, mich zu übernehmen, finde ich die Variante mit einer Übernachtung doch reizvoller.
Wegname
Distanz
Gehzeit
Schwierigkeit
- Kiefernweg
3,1
90
leicht
- Pilgerweg
2,3
70
leicht
- Weiße-Wolken-Weg
4,1
120
mittel
- Solsaem-Weg
2,1
60
leicht
- Meditationsweg
2,4
70
schwer
- Pyeongchang-Dorfweg
5
150
mittel
- Alte-Festung-Weg
2,7
100
mittel
- Wolkengarten-Weg
5,2
150
mittel
- Masil-Weg
1,5
45
leicht
- Eunuchen-Grabstätten-Weg
3,5
105
leicht
- Hyoja-Weg
3,3
90
leicht
- Chungui-Weg
3,7
105
mittel
- Songchu-Dorfweg
5
150
leicht
- Sanneomi-Weg
2,3
70
schwer
- Angol-Weg
4,7
140
mittel
- Boru-Weg
2,9
90
schwer
- Darakwon-Weg
3,1
90
leicht
- Dobong-Altweg
3,1
90
leicht
- Banghak-dong-Weg
3,1
90
mittel
- Königliche-Grabstätten-Weg
1,6
45
leicht
- Ui-ryeong-Weg
6,8
210
mittel
Die Wege haben wirklich wunderschöne Namen bekommen. Ich habe mir für jeden Abschnitt die Karte angesehen.
- Kiefernweg, 3,1 km, Gehzeit 90 min, Schwierigkeit leicht
Der Weg startet am Eingang des Ui-ryeong-Wegs und führt von dort nach unten.
- Pilgerweg, 2,3 km, Gehzeit 70 min, Schwierigkeit leicht
Hier besteigt man nicht den Bukhansan, sondern umrundet ihn – große Höhenunterschiede muss man also wohl nicht groß wegstecken.
- Weiße-Wolken-Weg, 4,1 km, Gehzeit 120 min, Schwierigkeit mittel
Noch immer Gangbuk-gu. Ich werde fleißig weitergehen, Gangbuk-gu hinter mir lassen und Richtung Eunpyeong streben.
- Solsaem-Weg, 2,1 km, Gehzeit 60 min, Schwierigkeit leicht
Hat man den vierten Abschnitt geschafft, ist man irgendwann bis nach Jeongneung gekommen, also nach Jongno-gu. Links und rechts dürfte man die Berglandschaft gut sehen.
- Meditationsweg, 2,4 km, Gehzeit 70 min, Schwierigkeit schwer
Ein Weg durch Jongno-gu. An den Abzweigungen muss man aufpassen, nicht an die falsche Stelle zu geraten. Etwas anspruchsvoll. Hier sollte man es langsam angehen.
- Pyeongchang-Dorfweg, 5 km, Gehzeit 150 min, Schwierigkeit mittel
Als einzelner Abschnitt nach dem Ui-ryeong-Weg der längste. Mit veranschlagten 150 Minuten ziemlich lang.
Wenn ich den sechsten Weg hinter mir habe – beginnt dann Eunpyeong? Gugi habe ich jedenfalls passiert.
- Alte-Festung-Weg, 2,7 km, Gehzeit 100 min, Schwierigkeit mittel
Der siebte Weg scheint ein Abschnitt zu sein, auf dem man sich streckenweise schlecht mit Proviant versorgen kann. Vor dem sechsten Abschnitt sollte man wohl auffüllen – Trinkwasser bzw. Wasser nachfassen.
- Wolkengarten-Weg, 5,2 km, Gehzeit 150 min, Schwierigkeit mittel
Der achte Abschnitt führt durch Stadtgebiet und an einer U-Bahn-Station vorbei, Nachschub ist hier also möglich. Die Jingwan-Ökobrücke überquere ich jedes Mal, wenn ich den Bukhansan besteige – inzwischen ein vertrauter Anblick.
- Masil-Weg, 1,5 km, Gehzeit 45 min, Schwierigkeit leicht
Ein Abschnitt, der am Eingang des Bukhansan-Besucherzentrums vorbeiführt, allerdings ein Stück abseits. Nur zum Toilettengang dort hineinzugehen, wäre wohl etwas umständlich. Ich für meinen Teil würde einfach durchlaufen und stattdessen die Zeiten der einzelnen Abschnitte einplanen, um unterwegs eine Mahlzeit einzulegen – das scheint mir eine gute Strategie. Allmählich dürfte der Hunger ohnehin groß sein, und entlang dieses Wegs gibt es ein paar Restaurants.
- Eunuchen-Grabstätten-Weg, 3,5 km, Gehzeit 105 min, Schwierigkeit leicht
Wenn ich mir die Strecke ansehe, sollte man vor dem zehnten Abschnitt seinen Proviant ausreichend aufgestockt haben. In der Umgebung gibt es vermutlich kaum Versorgungsmöglichkeiten.
- Hyoja-Weg, 3,3 km, Gehzeit 90 min, Schwierigkeit leicht
Ja, ab dem zehnten wird es zur Tortur. Kein Nachschub, und auch ringsum kaum Wohnhäuser, scheint mir. Schon beim Schreiben bereitet mir dieser Abschnitt Kopfzerbrechen.
- Chungui-Weg, 3,7 km, Gehzeit 105 min, Schwierigkeit mittel
Am Eingang des Gyohyeon-Ui-ryeong-Wegs gibt es einen Convenience Store und Ähnliches, mit dem Nachschub sollte es also keine Probleme geben. Wahrscheinlich reicht es, den Proviant für höchstens zwei Abschnitte vorzuhalten. So lässt sich das Rucksackvolumen reduzieren.
- Songchu-Dorfweg, 5 km, Gehzeit 150 min, Schwierigkeit mittel
Inzwischen bin ich an der Nordseite des Bukhansan. Etwa rechts der Bukhansan, links der Dobongsan? Ein Abschnitt mit einiger Distanz. Bei der Verpflegung für unterwegs muss man sorgfältig planen.
- Sanneomi-Weg
Jetzt gehe ich definitiv auf dem Weg zwischen Dobongsan und Bukhansan. Mittlerweile eindeutig im Norden.
- Angol-Weg, 4,7 km, Gehzeit 140 min, Schwierigkeit mittel
Der Abschnitt, an dem man nach Uijeongbu abbiegt und nach Hoeryong hinabzusteigen beginnt. Ich bin schon weit gekommen.
- Boru-Weg, 2,9 km, Gehzeit 90 min, Schwierigkeit schwer
Ein Abschnitt der Kategorie „schwer“. Man muss sich die Kräfte gut einteilen und langsam vorangehen.
- Darakwon-Weg, 3,1 km, Gehzeit 90 min, Schwierigkeit leicht
3,1 km und Schwierigkeit „leicht“ – das dürfte man ganz entspannt schaffen.
- Dobong-Altweg, 3,1 km, Gehzeit 90 min, Schwierigkeit leicht
Ein Abschnitt durch das Dobong-Gebiet. Jetzt ist das Ende in Sicht.
- Banghak-dong-Weg, 3,1 km, Gehzeit 90 min, Schwierigkeit mittel
Schwierigkeit „mittel“. Der nächste Abschnitt ist der letzte – also noch einmal zusammenreißen und durchhalten.
- Königliche-Grabstätten-Weg, 1,6 km, Gehzeit 45 min, Schwierigkeit leicht
Der letzte Abschnitt der kompletten Rundumquerung des Dulle-gil. Ein kurzer Abschnitt, und man sieht bereits den Ausgangspunkt^^ – ein richtig schöner Abschluss.
- Ui-ryeong-Weg, 6,8 km, Gehzeit 210 min, Schwierigkeit mittel
Ein Abschnitt mit Reservierungspflicht – man muss vorab buchen.
Alles in allem: Würde man beim Bukhansan-Dulle-gil den Ui-ryeong-Weg vorab reservieren und am zweiten Tag begehen, käme man auf 71,5 km – und so flach der Trail auch sein mag, eine leichte Strecke ist das wohl nicht. Aber es vor der Haustür zu haben und nicht hinzugehen, dafür sehe ich keinen Grund. Am liebsten würde ich für eine Nacht ein Gästehaus oder Motel buchen, Unterwäsche und Socken für zwei Tage einpacken und gleich losziehen. In meinem Fall – ich wohne ja im Westen – würde ich Start und Ziel beide in den Westen legen: am ersten Tag von 09. Masil-Weg bis 20. Königliche-Grabstätten-Weg, also rund 37,8 km, und am zweiten Tag von 01. Kiefernweg bis 08. Wolkengarten-Weg zum Abschluss, was etwa 26,8 km ergäbe. Bei zweitägigen Touren mit einer Übernachtung hat es mir meist geholfen, am zweiten Tag 30–40 % weniger zu gehen – schließlich schläft man unbequem und die Erschöpfung vom ersten Tag steckt einem noch in den Knochen.
Zwischen den einzelnen Abschnitten scheint die Versorgung größtenteils kein Problem zu sein, und Trinkwasser kann man im Convenience Store kaufen – man muss also nur eine Wasserflasche mit etwa zwei Litern gut dabeihaben und unterwegs rechtzeitig Verpflegung nachladen, dann dürfte es nicht allzu schwer werden. Schon allein das Rucksackgewicht zu senken hilft ja enorm. Sobald meine Knöchelbehandlung abgeschlossen ist, ist das der erste Weg, den ich mir vornehmen werde.
Ich bin wirklich dankbar, dass es so eine Langstrecken-Trekkingroute in der Nähe von Seoul gibt. Ich freue mich jetzt schon^^
Vielen Dank.
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Kontakt: bumseok.view [at] gmail [dot] com
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